Lautstarke
Diskussionen um Fluglärm im Umweltausschuss
Menschen,
die im Umfeld von Flughäfen einer besonderen Lärmbelastung ausgesetzt
sind, haben ein höheres Erkrankungsrisiko. So lautet das Fazit einer
Studie von Professor Eberhard Greiser, die im Auftrag des
Umweltbundesamtes erstellt und Mittwochvormittag im Umweltausschuss
vorgestellt wurde.
Für die Studie „Risikofaktor
nächtlicher Fluglärm“ hatte Greiser untersucht, ob Fluglärm zu
ernsthaften Erkrankungen wie etwa Schlaganfällen führen kann. Basis
seiner Untersuchung waren die Fluglärmdaten des Jahres 2004 und die
Daten von rund einer Million Versicherter von acht gesetzlichen
Krankenkassen. Dabei wurden die Fluglärmdaten mit den Adressdaten der
Versicherten verglichen. Nach den Untersuchungen Greisers konnte dabei
durch den nächtlichen Fluglärm sowohl ein erhöhtes Risiko von
Schlaganfällen als auch für koronare Herzkrankheiten festgestellt
werden.
In einer ersten Studie hatte Greiser im Jahr 2006
bereits eine kausale Beziehung zwischen Fluglärm und der Entstehung von
Bluthochdruck nachgewiesen. Greiser räumte bei der Vorstellung seiner
Studie allerdings bestimmte Defizite etwa bei der Frage sozialer
Indikatoren der Versuchsgruppe oder individueller Risiken einzelner
Personen ein. Zudem sagte Greiser, dass die Frage der Übertragbarkeit
auf andere Flughäfen nur bedingt möglich ist.
Bei CDU/CSU und
FDP stieß die Studie teilweise auf heftige Kritik. So bemängelte die
Union, dass der Schallpegel des Fluglärms außen und nicht in den
Innenräumen gemessen worden sei. Zudem merkte die Fraktion an, dass es
sich um einen sehr frühen Zeitpunkt der Studie handele und noch keine
wissenschaftliche Diskussion darüber stattgefunden habe. Sie wies auch
darauf hin, dass in der letzten Legislaturperiode ein Gesetz gegen
Fluglärm verabschiedet worden sei und wollte wissen, ob entsprechende
Regelungen bei der Studie bereits berücksichtigt worden seien. Die FDP
bemängelte, dass die Studie noch nicht wissenschaftlich veröffentlicht
worden sei. Zwar würden die Zusammenhänge von Fluglärm und Erkrankungen
nicht in Frage gestellt, ”aber wir möchten fragen, ob es neue
Erkenntnisse gibt, die einen Handlungsbedarf rechtfertigen“, erklärte
die Fraktion.
SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen
bewerteten die Studie insgesamt positiv. Lärm sei das am meisten
unterschätzte Problem, erklärten die Sozialdemokraten und fragten an
das Bundesumweltministerium gerichtet, welche weiteren Maßnahmen
diesbezüglich geplant seien. Die Linke lobte, dass es sich um die
genauste Studie handele, die bislang vorliege. Zudem sei dies eine
Frage, die weder im Verkehrs- noch im Wirtschaftsausschuss entsprechend
diskutiert würde. Auch Bündnis 90/Die Grünen sahen die Studie als
Bestätigung für den Fakt, „dass
es zwischen hohem Lärmpegel und Krankheiten einen Zusammenhang gibt“.
Die Fraktion wollte außerdem wissen, ob es sich bei der Studie um einen
isolierten Befund handele oder ob die Ergebnisse auf andere Flughäfen
übertragen werden könnten.
Ein Vertreter des Bundesumweltamtes erklärte, dass man sich bewusst
sei, dass die Studie im „Spannungsfeld
zwischen Gesundheitsschutz und Wirtschaftlichkeit“ läge. Es handele
sich bei der Untersuchung aber gerade deswegen um eine „solide
Studie“. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium,
Ursula Heinen-Esser (CDU) betonte, dass Fluglärm als relevante
Beeinträchtigung empfunden werde. Ein Teil der Problematik sei bereits
ins Fluglärmgesetz eingeflossen. ”Es bleibt aber auch eine
Lärmproblematik, die wir nicht ausblenden können“, sagte Heinen-Esser.
Sie räumte ebenfalls ein, dass es eine Korrelation zwischen Fluglärm
und bestimmten Erkrankungen gebe. Was aber die Kausalität anbelange,
wären weitere Untersuchungen nötig, die allerdings noch nicht in
Auftrag gegeben seien.
http://www.bundestag.de/presse/hib/2010_03/2010_064/02.html
03.03.2010